Ob Pra­xis­ver­kauf, Auf­nah­me eines Part­ners oder geplan­te Nach­fol­ge: Wer wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen für sei­ne Arzt- oder Zahn­arzt­pra­xis tref­fen möch­te, soll­te ihren wirt­schaft­li­chen Wert ken­nen. Denn die­ser ergibt sich nicht allein aus Gerä­ten und Ein­rich­tung. Ent­schei­dend ist viel­mehr das Zusam­men­spiel aus vor­han­de­ner Sub­stanz und der Fähig­keit der Pra­xis, auch künf­tig nach­hal­tig Erträ­ge zu erwirt­schaf­ten und erfolg­reich von einem Nach­fol­ger fort­ge­führt zu wer­den.

Praxiswert ist mehr als die Summe der Einrichtung

Vie­le Pra­xis­in­ha­ber den­ken beim Wert ihrer Pra­xis zunächst an medi­zi­ni­sche Gerä­te, Mobi­li­ar und tech­ni­sche Aus­stat­tung. Die­se Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de bil­den den soge­nann­ten Sub­stanz­wert und damit einen Teil des gesam­ten Pra­xis­wer­tes.

Doch eine eta­blier­te Pra­xis bie­tet weit mehr: einen gewach­se­nen Pati­en­ten­stamm, ein­ge­spiel­te Abläu­fe, eine funk­tio­nie­ren­de Orga­ni­sa­ti­on und eine gefes­tig­te regio­na­le Markt­po­si­ti­on. Auch die Lage, der Miet­ver­trag und die Mög­lich­keit, die Pra­xis in den bis­he­ri­gen Räu­men fort­zu­füh­ren, kön­nen den Wert beein­flus­sen.

Der wirt­schaft­li­che Mehr­wert, der sich aus die­sen Struk­tu­ren und der künf­tig nach­hal­tig erziel­ba­ren Ertrags­kraft über den rei­nen Sub­stanz­wert hin­aus ergibt, wird als imma­te­ri­el­ler Pra­xis­wert oder Good­will bezeich­net.

Eine fun­dier­te Pra­xis­be­wer­tung nimmt daher bei­de Sei­ten in den Blick: die vor­han­de­ne Sub­stanz und den imma­te­ri­el­len Pra­xis­wert.

Der Substanzwert: Was ist vorhanden?

Der Sub­stanz­wert beschreibt den aktu­el­len Wert der vor­han­de­nen und über­trag­ba­ren Wirt­schafts­gü­ter der Pra­xis. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se:

  • Medi­zi­ni­sche Gerä­te und tech­ni­sche Aus­stat­tung
  • Mobi­li­ar und Ein­rich­tung
  • EDV-Sys­te­me sowie über­trag­ba­re Soft­ware- und Nut­zungs­rech­te
  • Vor­rä­te, soweit sie mit der Pra­xis über­ge­ben wer­den, noch ver­wend­bar sind und einen nen­nens­wer­ten wirt­schaft­li­chen Wert besit­zen
  • Sons­ti­ge über­trag­ba­re und betriebs­not­wen­di­ge Ver­mö­gens­wer­te
  • Gege­be­nen­falls wert­hal­ti­ge Ein- und Umbau­ten

Ent­schei­dend sind dabei nicht allein die ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten oder die Buch­wer­te. Maß­geb­lich ist viel­mehr, wel­chen aktu­el­len Markt­wert die ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter zum Zeit­punkt der Bewer­tung besit­zen. Dabei spie­len unter ande­rem Alter, Zustand, tech­ni­sche Ent­wick­lung und die aktu­el­le Markt­si­tua­ti­on eine Rol­le.

In der Regel wird eine Pra­xis „debt and cash free“ bewer­tet. Ein­fach gesagt: Bank­gut­ha­ben und Finan­zie­rungs­ver­bind­lich­kei­ten gehö­ren nicht zum eigent­li­chen Pra­xis­wert. Sie blei­ben beim bis­he­ri­gen Pra­xis­in­ha­ber oder wer­den bei der Kauf­preis­ge­stal­tung geson­dert berück­sich­tigt.

Der Sub­stanz­wert zeigt somit, wel­cher Wert in den ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­tern der Pra­xis steckt. Für die Bewer­tung der gesam­ten Pra­xis ist er jedoch nur ein Teil des Gesamt­bil­des.

Der Ertragswert: Was kann die Praxis erwirtschaften?

Der imma­te­ri­el­le Pra­xis­wert wird in der Regel ertrags­wert­ori­en­tiert ermit­telt. Im Mit­tel­punkt steht die Fra­ge, wel­che Erträ­ge ein Nach­fol­ger mit der Pra­xis künf­tig nach­hal­tig erzie­len kann.

Für die Ermitt­lung des Good­wills hat sich vor allem die modi­fi­zier­te Ertrags­wert­me­tho­de bewährt. Sie schaut nicht nur auf die Zah­len der Ver­gan­gen­heit, son­dern berück­sich­tigt auch die Zukunfts­aus­sich­ten und die Beson­der­hei­ten der jewei­li­gen Pra­xis. Gera­de bei inha­ber­ge­präg­ten frei­be­ruf­li­chen Pra­xen gilt sie als beson­ders pas­send und wird auch von der Recht­spre­chung – ins­be­son­de­re bei fami­li­en­recht­li­chen Bewer­tun­gen – als gene­rell vor­zugs­wür­dig ange­se­hen.

Aus­gangs­punkt sind in der Regel die wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis­se der ver­gan­ge­nen Jah­re. Die­se wer­den jedoch nicht ein­fach unver­än­dert in die Zukunft fort­ge­schrie­ben. Ein­ma­li­ge oder außer­ge­wöhn­li­che Ent­wick­lun­gen sowie rein inha­ber­be­zo­ge­ne und nicht über­trag­ba­re Umsät­ze oder Kos­ten wer­den ent­spre­chend berück­sich­tigt.

Für die Berech­nung wer­den unter ande­rem betrach­tet:

  • Umsät­ze und Kos­ten­struk­tur der ver­gan­ge­nen Jah­re
  • Ent­wick­lung der Pati­en­ten­zah­len und des Leis­tungs­spek­trums
  • Zukunfts­aus­sich­ten des Stand­or­tes
  • Wett­be­werbs­si­tua­ti­on und regio­na­le Markt­po­si­ti­on
  • Indi­vi­du­el­le Beson­der­hei­ten und die Inha­ber­ab­hän­gig­keit der Pra­xis
  • Bereits abseh­ba­re zukünf­ti­ge Ver­än­de­run­gen

Da die Ein­nah­men einer Pra­xis maß­geb­lich durch die Tätig­keit des Pra­xis­in­ha­bers erwirt­schaf­tet wer­den, wird außer­dem ein ange­mes­se­ner kal­ku­la­to­ri­scher Arzt- bezie­hungs­wei­se Zahn­arzt­lohn berück­sich­tigt. Auch künf­tig not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen flie­ßen in die Berech­nung ein.

Ent­schei­dend ist somit nicht allein der bis­her aus­ge­wie­se­ne steu­er­li­che Gewinn, son­dern der wirt­schaft­li­che Über­schuss, den ein Nach­fol­ger mit der Pra­xis künf­tig nach­hal­tig erzie­len kann.

Eine wirt­schaft­lich sta­bi­le Pra­xis mit guten Zukunfts­per­spek­ti­ven kann daher einen deut­lich höhe­ren Wert besit­zen, als dies allein anhand ihrer Aus­stat­tung zu erwar­ten wäre.

Dabei wird nicht der Pati­en­ten­stamm als sol­cher ver­kauft. Der Good­will beschreibt viel­mehr die Chan­ce, an die bestehen­den Pra­xis­struk­tu­ren anzu­knüp­fen, das Ver­trau­en der Pati­en­ten zu erhal­ten und die Pra­xis erfolg­reich wei­ter­zu­füh­ren. 

Kaufpreis und Praxiswert sind nicht immer identisch

Ein ermit­tel­ter Pra­xis­wert bie­tet eine wich­ti­ge Ori­en­tie­rung, ent­spricht jedoch nicht auto­ma­tisch dem spä­te­ren Kauf­preis. Ange­bot und Nach­fra­ge, regio­na­le Beson­der­hei­ten, die Spe­zia­li­sie­rung der Pra­xis, Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten sowie indi­vi­du­el­le Ver­hand­lun­gen beein­flus­sen die letzt­lich ver­ein­bar­te Kauf­preis­hö­he.

Der ermit­tel­te Pra­xis­wert ist daher kei­ne star­re Vor­ga­be, son­dern eine fun­dier­te Grund­la­ge für rea­lis­ti­sche und gut vor­be­rei­te­te Ver­hand­lun­gen.

Ins­be­son­de­re in gefrag­ten Regio­nen oder bei spe­zia­li­sier­ten Pra­xen kön­nen sich der rech­ne­risch ermit­tel­te Pra­xis­wert und der tat­säch­lich erziel­ba­re Kauf­preis deut­lich von­ein­an­der unter­schei­den.

Transparenz schafft Sicherheit

Eine fun­dier­te Pra­xis­be­wer­tung schafft Trans­pa­renz und bil­det die Grund­la­ge für rea­lis­ti­sche Ver­hand­lun­gen sowie eine erfolg­rei­che Nach­fol­ge­pla­nung. Wer früh­zei­tig Klar­heit über den Wert sei­ner Pra­xis gewinnt, schafft wich­ti­ge Hand­lungs­spiel­räu­me für die Zukunft.

Sie möch­ten den Wert Ihrer Pra­xis ermit­teln oder pla­nen einen Ver­kauf, den Ein­stieg eines Part­ners oder die Pra­xis­nach­fol­ge? Spre­chen Sie uns ger­ne an. Wir unter­stüt­zen Sie mit einer fun­dier­ten Pra­xis­be­wer­tung und ste­hen Ihnen bei den damit ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen, steu­er­li­chen und stra­te­gi­schen Fra­ge­stel­lun­gen zur Sei­te.

Laris­sa Weigl

Betriebs­wirt­schaft­li­che Bera­te­rin