Die Novel­lie­rung der Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te (GOÄ) gehört zu den bedeu­tends­ten Reform­vor­ha­ben im Gesund­heits­we­sen der ver­gan­ge­nen Jah­re. Mit der soge­nann­ten GOÄ­neu liegt ein gemein­sa­mer Ent­wurf von Ärz­te­schaft, pri­va­ter Kran­ken­ver­si­che­rung und Bei­hil­fe­trä­gern vor, der die seit 1996 gel­ten­de Gebüh­ren­ord­nung moder­ni­sie­ren soll. Der Ent­wurf wird der­zeit durch eine eigens ein­ge­rich­te­te Pro­jekt­grup­pe im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit geprüft.

Wichtiger Hinweis zum aktuellen Stand

Die nach­fol­gen­den Infor­ma­tio­nen basie­ren auf dem aktu­el­len Ent­wurf der GOÄ­neu (Stand 2026). Da das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist, kön­nen sich Rege­lun­gen, Inhal­te und Zeit­plä­ne bis zum Inkraft­tre­ten noch ändern.

Warum eine neue GOÄ notwendig ist

Die der­zeit gül­ti­ge GOÄ stammt aus dem Jahr 1996. Seit­dem haben sich medi­zi­ni­sche Ver­fah­ren, dia­gnos­ti­sche Mög­lich­kei­ten und die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ärzt­li­cher Leis­tun­gen erheb­lich ver­än­dert. Vie­le moder­ne Leis­tun­gen kön­nen heu­te nur über Ana­log­be­wer­tun­gen oder indi­vi­du­el­le Lösun­gen abge­bil­det wer­den.

Ziel der GOÄ­neu ist es daher, eine moder­ne, trans­pa­ren­te und rechts­si­che­re Grund­la­ge für die Pri­vat­ab­rech­nung zu schaf­fen. Gleich­zei­tig sol­len medi­zi­ni­scher Fort­schritt, ver­än­der­te Kos­ten­struk­tu­ren und die zuneh­men­de Bedeu­tung der spre­chen­den Medi­zin ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den. 

Welche Änderungen sind geplant?

Die grund­le­gen­de Struk­tur der GOÄ bleibt erhal­ten. Den­noch sieht der aktu­el­le Ent­wurf zahl­rei­che Anpas­sun­gen vor:

  • Erwei­te­rung des Leis­tungs­ka­ta­logs um vie­le neue Gebüh­ren­zif­fern
  • Ein­füh­rung eines Fest­be­trags je Zif­fer anstel­le des bis­he­ri­gen Punkt­wert­sys­tems
  • Stei­ge­run­gen künf­tig nur noch in defi­nier­ten Aus­nah­me­fäl­len
  • Zuschlä­ge für beson­de­re Leis­tun­gen und zusätz­li­chen Auf­wand
  • Fort­füh­rung der Mög­lich­keit zur Ana­log­ab­rech­nung neu­er Leis­tun­gen
  • Ein­rich­tung einer GOÄ-Kom­mis­si­on zur lau­fen­den Wei­ter­ent­wick­lung der Gebüh­ren­ord­nung
  • Erwei­ter­te Doku­men­ta­ti­ons­an­for­de­run­gen bei ope­ra­ti­ven und inter­ven­tio­nel­len Leis­tun­gen 

Für vie­le Pra­xen wer­den die­se Ände­run­gen Aus­wir­kun­gen auf Abrech­nung, Doku­men­ta­ti­on, Pra­xis­or­ga­ni­sa­ti­on und Soft­ware­pro­zes­se haben.

Wann kommt die GOÄneu?

Ein ver­bind­li­cher Ein­füh­rungs­ter­min steht der­zeit noch nicht fest. Nach aktu­el­lem Stand wird von den betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen ein Inkraft­tre­ten zum 1. Janu­ar 2028 ange­strebt. Vor­aus­set­zung hier­für ist jedoch der erfolg­rei­che Abschluss des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens sowie die Umset­zung der erfor­der­li­chen tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­be­rei­tun­gen.

Vor dem Inkraft­tre­ten muss die GOÄ­neu noch meh­re­re Schrit­te durch­lau­fen:

  1. Vor­la­ge eines Refe­ren­ten- und Ver­ord­nungs­ent­wurfs durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit
  2. Beschluss­fas­sung im Bun­des­ka­bi­nett
  3. Bera­tung und Ver­ab­schie­dung im Deut­schen Bun­des­tag
  4. Zustim­mung des Bun­des­ra­tes
  5. Ver­öf­fent­li­chung und Über­gangs­pha­se
  6. Inkraft­tre­ten der neu­en GOÄ 

Dar­über hin­aus müs­sen Pra­xis­ver­wal­tungs­sys­te­me, Abrech­nungs­pro­gram­me und tech­ni­sche Schnitt­stel­len umfang­reich ange­passt wer­den. Ent­spre­chend ist eine aus­rei­chen­de Vor­be­rei­tungs­zeit für Pra­xen erfor­der­lich. 

Warum Praxen sich bereits heute vorbereiten sollten

Auch wenn die GOÄ­neu noch nicht ver­ab­schie­det ist, lohnt sich eine früh­zei­ti­ge Beschäf­ti­gung mit den geplan­ten Ände­run­gen. Wer die neue Sys­te­ma­tik früh­zei­tig ver­steht, kann mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die eige­ne Pra­xis bes­ser ein­schät­zen und not­wen­di­ge Anpas­sun­gen recht­zei­tig pla­nen.

Ins­be­son­de­re für Pra­xis­in­ha­ber, Abrech­nungs­ver­ant­wort­li­che und Medi­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te wird es wich­tig sein, die neu­en Struk­tu­ren und Abrech­nungs­lo­gi­ken früh­zei­tig ken­nen­zu­ler­nen.

Weiterführende Informationen

Die Ein­füh­rung der GOÄ­neu wird nicht nur Aus­wir­kun­gen auf die Pri­vat­ab­rech­nung haben. Je nach Fach­rich­tung und Leis­tungs­struk­tur kön­nen sich auch Ände­run­gen für Pra­xis­or­ga­ni­sa­ti­on, Pro­zes­se und betriebs­wirt­schaft­li­che Kenn­zah­len erge­ben. Daher lohnt es sich, die Ent­wick­lung früh­zei­tig im Blick zu behal­ten.

Als auf Heil­be­ru­fe spe­zia­li­sier­te Steu­er- und Rechts­be­ra­tung beglei­ten wir zahl­rei­che Arzt­pra­xen bei steu­er­li­chen, recht­li­chen und betriebs­wirt­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen. Die Ent­wick­lun­gen rund um die GOÄ­neu ver­fol­gen wir fort­lau­fend und infor­mie­ren unse­re Man­dan­ten über rele­van­te Ände­run­gen und deren mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Pra­xis. Ergän­zend bie­ten die Semi­na­re und Web­i­na­re der PVS Süd­west die Mög­lich­keit, sich ver­tieft mit den geplan­ten Neue­run­gen und deren prak­ti­scher Umset­zung zu befas­sen. 

Für Man­dan­ten von dr. schau­er gel­ten ver­güns­tig­te Teil­nah­me­ge­büh­ren. Hier­für ist bei der Anmel­dung das Kenn­wort „dr.schauer“ anzu­ge­ben.  

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Semi­na­ren und zur Anmel­dung fin­den Sie hier:
https://dr-schauer.de/seminare-pvs-suedwest/