Ruhe­stand – ver­ständ­lich, denn ein abbe­zahl­tes Haus bedeu­tet miet­frei­es Woh­nen und ein Gefühl von Sicher­heit. Doch ob Kau­fen oder Mie­ten die klü­ge­re Wahl ist, lässt sich pau­schal nicht beant­wor­ten. Meh­re­re aktu­el­le Unter­su­chun­gen legen nahe: Wer sich im Alter allein auf das Eigen­heim ver­lässt, ver­schenkt womög­lich Fle­xi­bi­li­tät – und manch­mal auch Ren­di­te. 

Der Zugang zum Eigen­tum ver­schiebt sich 

Ob Immo­bi­li­en grund­sätz­lich zu teu­er sind, lässt sich kaum all­ge­mein sagen – dass die Finan­zie­rung anspruchs­vol­ler gewor­den ist, dage­gen schon. Mit einer Wohn­ei­gen­tums­quo­te von rund 44 Pro­zent liegt Deutsch­land deut­lich unter dem euro­päi­schen Schnitt von etwa 70 Pro­zent, Ten­denz eher fal­lend. 

Ent­schei­dend sind vor allem zwei Fak­to­ren:  

  • das ver­füg­ba­re Eigen­ka­pi­tal  
  • und die lau­fen­den Zins- und Til­gungs­kos­ten.  

Wäh­rend der Anteil des Ein­kom­mens, der in die Finan­zie­rung fließt, über die Gene­ra­tio­nen hin­weg ähn­lich hoch geblie­ben ist, hat sich der Eigen­ka­pi­tal­be­darf dra­ma­tisch ver­än­dert. Wer in den 1980er-Jah­ren ein Ein­fa­mi­li­en­haus kauf­te, brauch­te dafür etwa das 3,6‑Fache sei­nes Jah­res­ein­kom­mens an Eigen­ka­pi­tal – heu­te sind es rund fünf Jah­res­ein­kom­men. Bei Eigen­tums­woh­nun­gen stieg der Bedarf vom 1,7‑Fachen auf etwa drei Jah­res­ein­kom­men. 

In Spar­jah­ren aus­ge­drückt: Wer ein Fünf­tel sei­nes Ein­kom­mens zurück­legt, spar­te frü­her knapp sie­ben Jah­re auf das nöti­ge Eigen­ka­pi­tal – heu­te sind es fast vier­zehn. Kein Wun­der also, dass Schen­kun­gen und Erb­schaf­ten bei Immo­bi­li­en­käu­fen spür­bar zuge­nom­men haben. Der Zugang zu Wohn­ei­gen­tum ver­schiebt sich damit von einer ein­kom­mens- hin zu einer ver­mö­gens­ba­sier­ten Fra­ge: Wer von zu Hau­se aus Ver­mö­gen mit­bringt, hat es deut­lich leich­ter. 

Das Ver­mö­gen steckt in den Mau­ern 

Genau hier liegt ein oft unter­schätz­tes Pro­blem. Eine selbst genutz­te Immo­bi­lie kann ein wich­ti­ger Bau­stein der Alters­vor­sor­ge sein – sie erzeugt jedoch kei­nen lau­fen­den Cash­flow und bin­det zugleich viel Kapi­tal. Im Ruhe­stand sind vie­le Eigen­hei­me zudem eigent­lich zu groß: Die Kin­der sind längst aus dem Haus, das Ver­mö­gen aber wei­ter­hin in Stein gebun­den, wäh­rend frei ver­füg­ba­res Geld fehlt. 

Fach­leu­te raten des­halb dazu, neben der Immo­bi­lie ein zwei­tes, fle­xi­bel ver­füg­ba­res Ver­mö­gen auf­zu­bau­en – etwa über Wert­pa­pier­spar­plä­ne, das berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­werk oder wei­te­re Vor­sor­ge­for­men. Ent­schei­dend ist die Kom­bi­na­ti­on aus lang­fris­ti­gem Auf­bau und aus­rei­chen­der Beweg­lich­keit, um im Alter nicht gezwun­gen zu sein, die Immo­bi­lie über­haupt erst zu Geld machen zu müs­sen. 

Aller­dings ist auch anzu­mer­ken, dass die Mie­ten allein in den letz­ten 10 Jah­ren im Bun­des­durch­schnitt um bis zu 51% gestie­gen sind und heu­te meist an die Infla­ti­on gekop­pelt sind. Somit wird „Woh­nen“ zur Mie­te zukünf­tig eben­falls dazu bei­tra­gen, dass frei ver­füg­ba­re Ein­kom­men im Alter wei­ter zu redu­zie­ren. 

Ren­di­te: Immo­bi­lie gegen breit gestreu­te Anla­ge 

His­to­risch lagen ver­mie­te­te Immo­bi­li­en und breit gestreu­te Akti­en­an­la­gen bei der Ren­di­te oft auf ähn­li­chem Niveau. Immo­bi­li­en brin­gen jedoch eige­ne Nach­tei­le mit: hoher Kapi­tal­be­darf, ein Klum­pen­ri­si­ko durch die Kon­zen­tra­ti­on auf ein ein­zel­nes Objekt sowie der Auf­wand für Ver­wal­tung, Mie­ter und recht­li­che Fra­gen. Dass vie­le Men­schen Immo­bi­li­en den­noch als siche­rer emp­fin­den, liegt vor allem dar­an, dass die Wert­schwan­kun­gen weni­ger sicht­bar sind – einen Akti­en­kurs sieht man täg­lich, den schwan­ken­den Wert eines Hau­ses oft erst beim Ver­kauf. 

Auf der Haben­sei­te ste­hen die gerin­ge­re Schwan­kungs­brei­te, steu­er­li­che Vor­tei­le bei der Ver­mie­tung, Ein­spa­rung der Kos­ten­stei­ge­rung der Mie­te im Ver­gleich bei Selbst­nut­zung und der Hebel­ef­fekt durch Fremd­fi­nan­zie­rung: Liegt der Ertrag aus dem inves­tier­ten Kapi­tal über dem Kre­dit­zins, lässt sich die Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te stei­gern. Hin­zu kommt ein psy­cho­lo­gi­scher Vor­teil – Eigen­tü­mer spa­ren durch die Til­gung qua­si­au­to­ma­tisch und ste­hen kurz vor dem Ruhe­stand häu­fig mit einem höhe­ren Ver­mö­gen da. Dass die­ses Ver­mö­gen über die Jah­re gewach­sen ist, zeigt auch die Preis­ent­wick­lung: Zwi­schen 2010 und 2022 ver­teu­er­ten sich Wohn­ge­bäu­de um rund 64 Pro­zent, wäh­rend die Infla­ti­on im sel­ben Zeit­raum nur etwa 25 Pro­zent betrug. 

Wor­auf es bei Ihrer Ent­schei­dung ankommt 

Eine pau­scha­le Ant­wort gibt es nicht – wohl aber kla­re Anhalts­punk­te. Das selbst genutz­te Eigen­heim ist ten­den­zi­ell die bes­se­re Wahl, wenn: 

  • Sie lang­fris­tig sess­haft blei­ben und abseh­bar nicht ver­kau­fen möch­ten, 
  • Sie in A‑Lagen und Bal­lungs­zen­tren woh­nen, die über Woh­nungs­knapp­heit ver­fü­gen 
  • die spä­te­re Miet­er­spar­nis spür­bar ins Gewicht fällt, 
  • Sie beson­de­ren Wert auf Sicher­heit und Plan­bar­keit legen. 

  

Ein brei­ter gestreu­ter Ver­mö­gens­auf­bau (etwa über Wert­pa­pie­re) ist dage­gen oft sinn­vol­ler, wenn: 

  • Sie dau­er­haft eine hohe Spar­quo­te hal­ten kön­nen, 
  • Kurs­schwan­kun­gen Sie nicht zu über­stürz­ten Ver­käu­fen ver­lei­ten, 
  • stei­gen­de Wohn­kos­ten im Alter aus Ihrem Ver­mö­gen oder den Erträ­gen gedeckt sind, 
  • oder Sie bereits über ein schul­den­frei­es, selbst genutz­tes Eigen­heim ver­fü­gen. 

  

Unser Fazit 

Die (selbst­ge­nutz­te) Immo­bi­lie kann ein star­ker Pfei­ler Ihrer Alters­vor­sor­ge sein – trag­fä­hig wird das Kon­zept aber meist erst durch die rich­ti­ge Mischung aus gebun­de­nem und fle­xi­bel ver­füg­ba­rem Ver­mö­gen. Wel­che Auf­tei­lung zu Ihrer Situa­ti­on passt, hängt von Ein­kom­men, Lebens­pla­nung und Risi­ko­be­reit­schaft ab. Genau das lässt sich am bes­ten indi­vi­du­ell durch­rech­nen.