Die Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen schrei­tet mit hoher Geschwin­dig­keit vor­an. Künst­li­che Intel­li­genz unter­stützt die Befun­dung, Medi­zin­pro­duk­te wer­den zuneh­mend ver­netzt und kli­ni­sche Pro­zes­se hän­gen mehr denn je von einer leis­tungs­fä­hi­gen IT-Infra­struk­tur ab. Par­al­lel dazu steigt jedoch auch die Zahl der regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen.

Kran­ken­häu­ser sehen sich aktu­ell mit einer Viel­zahl neu­er oder ver­schärf­ter Regel­wer­ke kon­fron­tiert: dem EU AI Act, den Anfor­de­run­gen aus NIS 2, den Vor­ga­ben der MDR für ver­netz­te Medi­zin­pro­duk­te, den Anfor­de­run­gen des Daten­schut­zes sowie wei­te­ren Rege­lun­gen im Bereich Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit und Risi­ko­ma­nage­ment. Betrach­tet man die­se The­men iso­liert, ent­steht schnell der Ein­druck einer kaum noch über­schau­ba­ren Regu­lie­rungs­land­schaft.

Tat­säch­lich ver­fol­gen die ver­schie­de­nen Regel­wer­ke jedoch ein gemein­sa­mes Ziel: Sie sol­len sicher­stel­len, dass digi­ta­le Sys­te­me im Kran­ken­haus sicher, zuver­läs­sig und beherrsch­bar betrie­ben wer­den.

Ein Thema, viele Regelwerke

Ein moder­nes Kran­ken­haus nutzt heu­te zahl­rei­che digi­ta­le Sys­te­me, die gleich­zei­tig meh­re­ren Vor­schrif­ten unter­lie­gen kön­nen. Ein KI-gestütz­tes Dia­gno­se­sys­tem etwa ist nicht nur ein Medi­zin­pro­dukt, son­dern Teil der IT-Infra­struk­tur, ver­ar­bei­tet sen­si­ble Gesund­heits­da­ten und kann gleich­zei­tig unter die Vor­ga­ben des AI Act fal­len.

Wäh­rend die MDR und die Betrei­ber­pflich­ten die siche­re Inte­gra­ti­on und Nut­zung eines Medi­zin­pro­dukts in der kon­kre­ten Kran­ken­haus­um­ge­bung in den Blick neh­men, for­dert NIS 2 ein umfas­sen­des Manage­ment von Cyber­ri­si­ken auf Orga­ni­sa­ti­ons­ebe­ne. Der AI Act ergänzt die­se Anfor­de­run­gen um Aspek­te wie Trans­pa­renz, mensch­li­che Auf­sicht, Risi­ko­be­wer­tung und den siche­ren Ein­satz von KI-Sys­te­men.

Die Kon­se­quenz: Die­sel­be Anwen­dung muss häu­fig aus unter­schied­li­chen regu­la­to­ri­schen Per­spek­ti­ven betrach­tet wer­den.

Die eigentliche Herausforderung liegt in den Schnittstellen

Für Kran­ken­haus­lei­tun­gen besteht die Her­aus­for­de­rung heu­te nicht mehr in der Umset­zung ein­zel­ner Vor­schrif­ten. Viel­mehr müs­sen Wech­sel­wir­kun­gen erkannt und Anfor­de­run­gen zusam­men­ge­führt wer­den.

Typi­sche Fra­ge­stel­lun­gen sind:

  • Wel­che ver­netz­ten Medi­zin­pro­duk­te befin­den sich im Kran­ken­haus­netz­werk?
  • Wel­che Risi­ken ent­ste­hen durch ihre Inte­gra­ti­on in die bestehen­de IT-Land­schaft?
  • Wo wer­den KI-Sys­te­me ein­ge­setzt und wie wer­den die­se über­wacht?
  • Wer trägt die Ver­ant­wor­tung für den siche­ren Betrieb?
  • Wie las­sen sich Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit, Daten­schutz, Medi­zin­pro­dukt­e­recht und KI-Gover­nan­ce mit­ein­an­der ver­bin­den?

Die­se Fra­gen betref­fen längst nicht mehr nur die IT-Abtei­lung. Medi­zin, Pfle­ge, Medi­zin­tech­nik, Qua­li­täts­ma­nage­ment, Daten­schutz, Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit und Geschäfts­füh­rung müs­sen gemein­sam an Lösun­gen arbei­ten.

Integrierte Governance statt Einzelprojekte

Vie­le Kran­ken­häu­ser bear­bei­ten die The­men Medi­zin­pro­duk­te, Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit, Daten­schutz und KI noch getrennt von­ein­an­der. Dies führt häu­fig zu par­al­le­len Doku­men­ta­tio­nen, unter­schied­li­chen Risi­ko­be­wer­tun­gen und unnö­ti­gem Res­sour­cen­ein­satz.

Sinn­vol­ler ist ein inte­grier­ter Ansatz. Gemein­sa­me Struk­tu­ren ermög­li­chen es, Anfor­de­run­gen aus ver­schie­de­nen Regel­wer­ken gleich­zei­tig zu erfül­len und Dop­pel­ar­beit zu ver­mei­den.

Zu den zen­tra­len Bau­stei­nen gehö­ren:

  • ein voll­stän­di­ges Ver­zeich­nis ver­netz­ter Medi­zin­pro­duk­te und digi­ta­ler Sys­te­me,
  • ein bereichs­über­grei­fen­des Risi­ko­ma­nage­ment,
  • kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten für digi­ta­le Anwen­dun­gen,
  • ein Infor­ma­ti­ons­si­cher­heits­ma­nage­ment­sys­tem (ISMS),
  • stan­dar­di­sier­te Pro­zes­se für Beschaf­fung, Bewer­tung und Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gien,
  • sowie eine struk­tu­rier­te KI-Gover­nan­ce.

Risikomanagement wird zum zentralen Erfolgsfaktor

Je stär­ker digi­ta­le Sys­te­me mit­ein­an­der ver­netzt sind, des­to wich­ti­ger wird ein pro­fes­sio­nel­les Risi­ko­ma­nage­ment. Es schafft Trans­pa­renz über tech­ni­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche und regu­la­to­ri­sche Risi­ken und hilft dabei, Prio­ri­tä­ten zu set­zen.

Gleich­zei­tig bie­tet ein inte­grier­tes Risi­ko­ma­nage­ment die Mög­lich­keit, Anfor­de­run­gen aus unter­schied­li­chen Regel­wer­ken in einem gemein­sa­men Steue­rungs­an­satz zu bün­deln. Statt meh­re­re iso­lier­te Com­pli­ance-Sys­te­me auf­zu­bau­en, kön­nen Kran­ken­häu­ser auf eine zen­tra­le Gover­nan­ce-Struk­tur set­zen, die Sicher­heit, Qua­li­tät, Wirt­schaft­lich­keit und Rechts­si­cher­heit glei­cher­ma­ßen unter­stützt.

Fazit

Die regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen rund um Digi­ta­li­sie­rung, Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit, Medi­zin­pro­duk­te und Künst­li­che Intel­li­genz wer­den auch in Zukunft wei­ter zuneh­men. Die ent­schei­den­de Auf­ga­be für Kran­ken­häu­ser besteht des­halb nicht dar­in, jede neue Vor­ga­be ein­zeln zu betrach­ten, son­dern die Zusam­men­hän­ge zu erken­nen und ganz­heit­li­che Lösun­gen zu eta­blie­ren.

Wer früh­zei­tig auf inte­grier­te Struk­tu­ren, kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten und ein wirk­sa­mes Risi­ko­ma­nage­ment setzt, schafft nicht nur Com­pli­ance, son­dern auch die Grund­la­ge für eine siche­re und nach­hal­ti­ge digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Kran­ken­hau­ses.

Wenn Sie Inter­es­se an einer Wei­ter­ent­wick­lung Ihrer Orga­ni­sa­ti­on haben, kön­nen Sie hier ein Erst­ge­spräch ver­ein­ba­ren.